Reifen wechseln am Audi A4 B9: Winterreifen selbst montieren
Kurzantwort: Mit Wagenheber und Drehmomentschlüssel ist der Radwechsel am Audi A4 B9 gut selbst zu machen:
- Winterreifen prüfen: Profil (empfohlen mindestens 4 mm), Alpine-Symbol, Reifenalter.
- Radschrauben lösen, solange das Rad noch Kontakt zum Boden hat.
- Wagenheber nur an den Ansatzpunkten am Schweller ansetzen – hinter dem Vorderrad bzw. vor dem Hinterrad.
- Rad abnehmen, Radnabe säubern, neues Rad aufsetzen und die Schrauben von Hand eindrehen.
- Auto ablassen, Radschrauben über Kreuz mit 120 Nm anziehen.
- Reifendruck laut Aufkleber einstellen und im MMI unter Fahrzeug › Service & Kontrolle › Reifendruckkontrolle speichern.
- Nach 50 bis 100 km die Radschrauben nachziehen.
Für welches Modell? Gezeigt ist unser Audi A4 Avant, Baujahr 2017 (Modellreihe B9). Die Winterräder haben die Größe 205/60 R16 auf Alufelgen. Bei anderen Modellen können Ansatzpunkte, Drehmoment und Menü abweichen – im Zweifel gilt das Bordbuch.
Der Wechsel aller vier Räder hat bei uns etwa 20 Minuten gedauert – plus die Zeit, um alles zusammenzusuchen. Mit einer aufgeräumten Werkstatt ist auch das schnell erledigt.
Werkzeug für den Reifenwechsel

Unser Werkzeug für den Radwechsel
- Wagenheber: Wir nehmen einen hydraulischen Rangierwagenheber. Er steht stabiler und hebt schneller als ein Wagenheber mit Kurbel – die können ganz schön nerven. Wichtig ist, dass seine Tragkraft fürs Auto reicht.
- Akku-Schlagschrauber (optional): nur zum Lösen der Radschrauben, nicht zum Festziehen.
- Drehmomentschlüssel mit 17er-Nuss.
- Gummipad als Auflage zwischen Wagenheber und Schweller.
- Ratsche oder Radkreuz zum Lösen und Eindrehen.
- Kreide zum Markieren der Räder.
- Messschieber oder Profiltiefenmesser.
- Reifenfüller mit Manometer.
- Arbeitshandschuhe.

Bordwerkzeug unter dem Kofferraumboden
Wo ist das Bordwerkzeug beim A4 Avant?
Beim A4 Avant liegt das Bordwerkzeug etwas versteckt unter einer Abdeckung unter dem Kofferraumboden. Dort sitzt auch die Batterie. Dass wir es überhaupt kennen, verdanken wir einem freundlichen Mann vom Abschleppdienst: Er brauchte die Abschleppöse und wusste, wo sie liegt.
Neben der Abschleppöse gehören ein Radschlüssel, ein kleiner Schraubendreher und das Pannenkit dazu. Für den Notfall reicht das. Der Radschlüssel funktioniert, für den Wechsel von vier Rädern ist er aber nicht wirklich geeignet.
Schritt 1: Winterreifen prüfen

Profiltiefe mit dem Messschieber messen
Bevor die Winterräder ans Auto kommen, lohnt ein kurzer Check. Abgefahrene oder zu alte Reifen sind ein Fall für den Reifenhändler, nicht für die Montage.
Profiltiefe
Gesetzlich vorgeschrieben sind 1,6 mm. Für Winterreifen empfiehlt der ADAC mindestens 4 mm, weil die Haftung auf Schnee und Matsch darunter deutlich nachlässt. Wir messen mit dem Messschieber in den Hauptrillen, an mehreren Stellen über den Umfang verteilt.
Unsere Winterreifen hatten noch rund 6 mm Profil – für diese Saison in Ordnung. Wenn im Frühjahr die Sommerreifen draufkommen, messen wir noch einmal nach, ob die Winterreifen eine weitere Saison schaffen. Müssen neue her, kann man über den Sommer in Ruhe nach guten Angeboten suchen. Besser nicht bis Oktober warten, dann ist die Nachfrage wieder groß.

Reifengröße auf der Flanke: 205/60 R16 96H
Größe, Alter und Winter-Kennzeichnung
- Reifengröße: Sie muss für das Auto zugelassen sein. Bei Fremdfelgen steht das im Felgengutachten.
- Alpine-Symbol: Seit dem 1. Oktober 2024 gelten nur noch Reifen mit dem Bergpiktogramm mit Schneeflocke als Winterreifen. Ein reines M+S reicht nicht mehr.
- Alter: Die letzten vier Ziffern der DOT-Nummer auf der Flanke geben Produktionswoche und -jahr an. „2219“ heißt zum Beispiel Woche 22 im Jahr 2019.
- Laufrichtung: Laufrichtungsgebundene Reifen tragen einen Pfeil auf der Flanke. Er muss beim Fahren vorwärts in Drehrichtung zeigen.

Winterreifen-Profil mit vielen Lamellen
Die feinen Einschnitte im Profil, die Lamellen, verzahnen sich mit Schnee und Eis. Je weiter der Reifen abgefahren ist, desto flacher werden sie – deshalb lässt die Wintertauglichkeit schon lange vor 1,6 mm nach.
Schritt 2: Räder markieren

Sommerreifen „VL“ = vorne links
Jedes abmontierte Rad bekommt mit Kreide seine Position: VL, VR, HL, HR für vorne links, vorne rechts, hinten links und hinten rechts. So weiß man im nächsten Jahr, wo welches Rad gelaufen ist.
Die Vorderräder nutzen sich meist schneller ab. Wer die Räder beim nächsten Wechsel zwischen den Achsen tauscht, fährt die Reifen gleichmäßiger ab. Die Reifen mit dem meisten Profil gehören dabei nach hinten – das sorgt für ein stabileres Fahrverhalten.
Schritt 3: Radschrauben lösen

Radschrauben lösen, solange das Rad auf dem Boden steht
Die Radschrauben werden gelöst, solange das Rad noch Kontakt zum Boden hat. Am frei hängenden Rad dreht sich sonst alles einfach mit. Wir setzen dafür schon den Wagenheber an und heben das Auto nur so weit an, dass weniger Last auf dem Reifen liegt, er aber noch fest auf dem Boden steht. Eine halbe Umdrehung reicht, ganz herausgedreht werden die Schrauben erst später.
Mit dem Akku-Schlagschrauber geht das Lösen schnell. Mit Radkreuz oder einer langen Ratsche klappt es auch – notfalls mit dem Fuß nachhelfen, aber vorsichtig.
Zum Festziehen nehmen wir den Schlagschrauber nicht: Er zieht die Schrauben viel zu fest an. Das kann Gewinde und Felge beschädigen.
Schritt 4: Wagenheber ansetzen – die Ansatzpunkte am A4 B9

Wagenheber am Ansatzpunkt unter dem Schweller
Der Wagenheber darf nur an den Ansatzpunkten am Schweller angesetzt werden. Beim A4 B9 gibt es pro Seite zwei:
- vorne: kurz hinter dem Vorderrad,
- hinten: kurz vor dem Hinterrad.
An anderen Stellen kann sich der Schweller oder der Unterboden verbiegen.
So findet man die Stelle: Die Ansatzpunkte erkennt man an einer kleinen dreieckigen Vertiefung im Schweller. Zwischen Wagenheber und Auto legen wir ein kleines Gummipad, das schützt Lack und Unterbodenschutz.
Die Aufnahme unseres Rangierwagenhebers hat höhere und niedrigere Flächen. Wir drehen sie so, dass sie satt am Schweller anliegt und nicht verrutschen kann.
Sicherheit: Nur auf festem, ebenem Boden arbeiten, Handbremse ziehen, Automatik auf P bzw. Gang einlegen. Wer ganz sicher gehen will, legt noch Keile vor und hinter eines der Räder, die auf dem Boden bleiben. Nie unter ein Auto greifen oder legen, das nur auf dem Wagenheber steht.

Angehoben, bis das Rad frei ist
Wir heben das Auto nur so weit an, bis das Rad frei ist. Das Winterrad ist voll aufgepumpt und braucht etwas mehr Platz als das abgenommene Rad – ein, zwei Zentimeter Luft unter dem Reifen schaden nicht.
Schritt 5: Rad abnehmen und Radnabe säubern

Radnabe und Bremsscheibe ohne Rad
Jetzt die Radschrauben ganz herausdrehen. Die oberste Schraube zuletzt – so hängt das Rad bis zum Schluss sicher an der Nabe. Dann das Rad nach vorn abziehen.
Rad sitzt fest? Bei einem anderen Auto mit Stahlfelgen war das Rad einmal regelrecht an der Nabe festgerostet. Geholfen hat ein herzhafter Tritt gegen den oberen Teil des Reifens. Dabei muss das Auto sicher stehen, und zwei Radschrauben bleiben locker eingedreht – so kann das Rad nicht plötzlich herunterfallen.
Bevor das neue Rad kommt, säubern wir die Auflagefläche der Radnabe. Rost und Schmutz an dieser Stelle verhindern, dass die Felge plan aufliegt. Dann können sich die Schrauben später lockern. Bei uns reichte es, etwas losen Rost mit der Drahtbürste zu entfernen und die Nabe mit einem Tuch sauber zu wischen.
Tipp: Ohne Rad hat man freie Sicht auf Bremsscheibe und Bremsbeläge – ein guter Moment für einen kurzen Blick. Unsere sahen noch gut aus.
Schritt 6: Winterrad aufsetzen

Radschrauben zuerst von Hand eindrehen
Das Winterrad aufsetzen und die Radschrauben von Hand eindrehen – zuerst die oberste, dann die übrigen. Lassen sich die Schrauben nicht leicht drehen, sitzen sie schief. Dann nicht mit Gewalt weiter, sondern neu ansetzen.
Auf keinen Fall mit Akku- oder Schlagschrauber eindrehen. Sitzt das Rad nicht hundertprozentig, ruiniert man nicht nur die Schraube, sondern auch das Gewinde in der Radnabe. Das wird schnell teuer – und dann stellt sich noch die Frage, wie das Auto in die Werkstatt kommt.
Anschließend die Schrauben über Kreuz leicht anziehen, bis das Rad sauber an der Nabe anliegt.

Radschrauben in der Alufelge
Passen die Radschrauben?
Unsere Winterräder sitzen auf Alufelgen eines Fremdherstellers. Solche Felgen brauchen oft andere Radschrauben als die Audi-Originalfelgen, zum Beispiel mit Kegelbund statt Kugelbund. Welche Schrauben passen, steht im Felgengutachten. Falsche Schrauben liegen nicht richtig an und können sich lösen.
Unsere Sommer- und Winterräder sitzen auf unterschiedlichen Alufelgen. Den jeweils passenden Schraubensatz bewahren wir deshalb immer in einem eigenen Schubfach in der Werkstatt auf. Das gilt genauso für Winterräder auf Stahlfelgen: Auch sie brauchen die zu den Felgen passenden Schrauben.
Schritt 7: Radschrauben mit Drehmoment anziehen

Festziehen mit dem Drehmomentschlüssel
Erst wenn das Auto wieder auf dem Boden steht, werden die Schrauben festgezogen: mit dem Drehmomentschlüssel, über Kreuz und in einem Zug, bis der Schlüssel auslöst.
| Fahrzeug | Drehmoment |
|---|---|
| Audi A4 B9 (Original-Alufelgen) | 120 Nm |
| Felgen von Fremdherstellern | laut Felgengutachten |
Nachziehen nicht vergessen: Nach 50 bis 100 km die Schrauben noch einmal mit dem Drehmomentschlüssel kontrollieren. Gerade bei Alufelgen kann sich die Verbindung anfangs noch setzen.
Schritt 8: Reifendruck einstellen

Der Reifendruck-Aufkleber
Die richtigen Werte stehen auf dem Reifendruck-Aufkleber. Bei unserem Audi klebt er in der Fahrertür, bei anderen Autos findet man ihn auch in der Tankklappe. Er ist nach Reifengrößen sortiert. Für jede Größe gibt es Werte für die Vorder- und die Hinterachse, jeweils in bar und psi:
- für halbe Beladung,
- einen etwas niedrigeren Wert für mehr Komfort (Buch-Symbol: Hinweise im Bordbuch),
- für volle Beladung.
Wichtig ist die Zeile, die genau zur eigenen Reifengröße und Tragfähigkeit passt. Die Tragfähigkeitskennzahl ist die Zahl hinter der Größe, bei uns „96“. „XL“ steht für verstärkte Reifen.
Für unsere Winterreifen haben wir vorne 2,9 bar und hinten 2,7 bar gewählt.

Reifendruck prüfen und einstellen
Gemessen wird bei kalten Reifen, also vor der Fahrt oder nach einer kurzen Strecke. Nach längerer Fahrt sind die Reifen warm und der Druck steigt – dann ist er zu hoch angezeigt.
Unsere Winterräder hatten nach dem Einlagern nur noch 2,4 bar, es musste also Luft nachgefüllt werden. Gut, wenn man dafür nicht erst zur Tankstelle fahren muss, sondern einen Kompressor in der Werkstatt hat.
Schritt 9: Reifendruck im MMI speichern
Die Reifendruckkontrolle unseres A4 vergleicht die Räder mit gespeicherten Werten. Nach jedem Radwechsel und jeder Druckänderung muss der neue Druck deshalb gespeichert werden. Sonst warnt das System grundlos oder erkennt einen schleichenden Plattfuß nicht zuverlässig.
Das MMI weist selbst darauf hin: Erst den Druck aller vier Reifen kontrollieren und richtig einstellen, dann speichern. Wer vorher speichert, macht den falschen Druck zum Maßstab.
Nach dem Speichern bestätigt das MMI, dass der Reifendruck übernommen wurde.
Sommerreifen einlagern
Die abmontierten Räder werden gesäubert und kühl, trocken und dunkel gelagert. Kompletträder liegen am besten flach gestapelt oder hängen an einem Felgenbaum.
Wir packen unsere Räder in Plastiktüten und lagern sie geschützt unter unserem Carport.
Unsere Erfahrungen
Ein Reifenwechsel ist schnell erledigt, wenn das Werkzeug passt. Der Akku-Schlagschrauber ist dabei eine tolle Sache: Bevor wir einen hatten, war das Lösen festsitzender Radschrauben manchmal ziemlich mühsam. Zum Festziehen bleibt aber der Drehmomentschlüssel Pflicht.
Häufige Fragen zum Reifenwechsel am Audi A4
Wo setzt man beim Audi A4 B9 den Wagenheber an?
Nur an den Ansatzpunkten am Schweller: vorne kurz hinter dem Vorderrad, hinten kurz vor dem Hinterrad. Die Stellen sind am Schweller markiert. An anderen Stellen kann der Schweller oder der Unterboden verbiegen.
Mit welchem Drehmoment werden die Radschrauben beim Audi A4 B9 angezogen?
Mit 120 Nm, über Kreuz und mit einem Drehmomentschlüssel. Bei Felgen von Fremdherstellern gilt der Wert aus dem Felgengutachten. Nach 50 bis 100 Kilometern sollte man die Schrauben noch einmal nachziehen.
Wie speichert man beim Audi A4 B9 den Reifendruck im MMI?
Erst den Druck an allen vier Rädern einstellen. Dann im MMI Fahrzeug wählen, weiter zu Service & Kontrolle, Reifendruckkontrolle und Reifendruck speichern. Die Reifendruckkontrolle vergleicht danach mit diesen Werten.
Wie lange dauert ein Reifenwechsel?
Mit Rangierwagenheber, Schlagschrauber und Drehmomentschlüssel hat der Wechsel aller vier Räder bei uns etwa 20 Minuten gedauert – plus die Zeit, das Werkzeug zusammenzusuchen und den Reifendruck einzustellen.
Welcher Reifendruck ist beim Audi A4 richtig?
Das hängt von Reifengröße, Tragfähigkeitskennzahl und Beladung ab. Die Werte stehen auf dem Reifendruck-Aufkleber am Fahrzeug, getrennt für Vorder- und Hinterachse und für halbe und volle Beladung.
Wie viel Profil müssen Winterreifen haben?
Gesetzlich vorgeschrieben sind 1,6 Millimeter. Der ADAC empfiehlt für Winterreifen mindestens 4 Millimeter, weil die Haftung auf Schnee und Matsch darunter deutlich nachlässt.
Welche Reifen gelten als Winterreifen?
Seit dem 1. Oktober 2024 nur noch Reifen mit dem Alpine-Symbol, einem Bergpiktogramm mit Schneeflocke. Reifen, die nur M+S tragen, erfüllen die situative Winterreifenpflicht nicht mehr.
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